Warum dein Kind Gelerntes wieder vergisst
Wie funktioniert Lernen im Gehirn? Warum viele Kinder Gelerntes wieder vergessen
„Mein Kind lernt doch. Warum bleibt trotzdem nichts hängen?“
Diese Frage höre ich von Eltern sehr oft.
Und ehrlich gesagt: Das Problem liegt häufig gar nicht daran, dass Kinder nicht lernen wollen oder zu faul sind.
Viel wichtiger ist eigentlich eine andere Frage:
Wie funktioniert Lernen im Gehirn überhaupt?
Denn wenn wir verstehen, wie das Gehirn Informationen verarbeitet, dann verstehen wir auch, warum Lernen manchmal funktioniert – und manchmal eben nicht.
Und genau das möchte ich dir heute ganz einfach erklären.
Inhaltsverzeichnis
Bulimielernen: Warum viele Kinder Gelerntes wieder vergessen
Warum Lernen bei vielen Kindern nicht funktioniert
So funktioniert Lernen im Gehirn - das Ultrakurzzeitgedächtnis
Wann lässt das Gehirn Informationen aber überhaupt durch?
Warum „alles auf einmal lernen“ nicht funktioniert - das Arbeitsgedächtnis
Darum sind Lernpausen so wichtig
So gelangen die Informationen ins Langzeitgedächtnis
Wie Kinder gehirngerecht und ohne Stress lernen können
Bulimielernen: Warum viele Kinder Gelerntes wieder vergessen
Vielleicht kennst du diesen Satz von deinem Kind:
„Ich habe doch gelernt – aber jetzt weiß ich schon wieder nichts mehr.“
Was ist hier passiert?
- Die meisten Kinder fangen erst kurz vor der Arbeit an zu lernen (meist 1-3 Tage vorher).
- Dann müssen sie zu viel Stoff auf einmal lernen.
- Zeit für Pausen gibt es nicht.
- Durch die kurze Zeit können natürlich keine Wiederholungen stattfinden.
- Dadurch wird das Lernen häufig mit Stress verbunden. Der präfrontale Cortex (das Arbeitsgedächtnis) wird blockiert und der Hippocampus (das Tor zum Langzeitgedächtnis) stellt die Arbeit ein.
Mit der Folge, dass man stundenlang Vokabeln oder Fakten büffeln kann, das Gehirn es aber eben nicht dauerhaft abspeichert.
Das nennt man oft Bulimielernen.
Dabei wird Wissen kurzfristig ins Gehirn „hineingestopft“; wenn man Glück hat, bis zur Arbeit gemerkt; in der Klassenarbeit wieder „ausgespuckt“ – und danach ist alles vergessen.
Das Problem:
Diese Art zu lernen widerspricht allem, was das Gehirn zum effektiven Lernen braucht.
Dieses Lernen funktioniert daher nicht nachhaltig.
Vor allem bei Dingen, die langfristig gebraucht werden (wie z.B. Vokabeln, Grammatik, Matheformeln,...), entstehen dadurch schnell Wissenslücken und Frust.
Warum Lernen bei vielen Kindern nicht funktioniert
Jeden Tag stürmen unzählige Eindrücke auf uns ein:
- Das Zwitschern der Vögel
- Ein vorbeifahrendes Auto
- Gespräche im Hintergrund
- Gerüche
- Geräusche
- Gedanken
Viele dieser Informationen nehmen wir gar nicht bewusst wahr. Und das ist auch gut so.
Denn stell dir einmal vor, unser Gehirn müsste wirklich alles speichern, was wir jeden Tag sehen, hören oder erleben. Das wäre eine völlige Reizüberflutung.
Deshalb hat unser Gehirn ein geniales Filtersystem.
So funktioniert Lernen im Gehirn - das Ultrakurzzeitgedächtnis
Bevor Informationen überhaupt gespeichert werden, landen sie zunächst im sogenannten Ultrakurzzeitgedächtnis.
Dort entscheidet das Gehirn innerhalb weniger Sekunden:
„Ist diese Information wichtig genug, damit ich sie behalte?“
Oder anders gesagt: Das Gehirn fragt sich:
„Lohnt es sich, dafür Speicherplatz freizumachen?“
Nur wenn die Antwort „Ja“ lautet, wird die Information weitergeleitet.
Wann lässt das Gehirn Informationen aber überhaupt durch?
Damit Informationen eine Chance haben, im Gedächtnis zu landen, brauchen sie bestimmte Voraussetzungen.
Natürlich gibt es viele Faktoren, aber besonders wichtig finde ich diese fünf:
1. Die Information ist wichtig
Zum Beispiel ein wichtiger Termin oder etwas, das unmittelbare Konsequenzen hat.
Das Problem:
Viele Kinder empfinden Schulstoff nicht automatisch als wichtig – auch wenn wir Erwachsenen das gern anders sehen würden.
2. Die Information ist interessant
Kinder merken sich Dinge leichter, wenn sie zu ihren Interessen passen.
Ein Kind, das Dinosaurier liebt, kann sich oft problemlos komplizierte Namen merken. Bei Vokabeln sieht das manchmal ganz anders aus.
Interesse öffnet dem Gehirn sozusagen die Tür zum Lernen.
3. Die Information kann mit etwas Bekanntem verknüpft werden
Unser Gehirn liebt Verbindungen.
Wenn ein Kind zum Beispiel schon einmal auf der Zugspitze war und dann in der Schule lernt, dass die Zugspitze der höchste Berg Deutschlands ist, entsteht sofort ein inneres Bild.
Das Gehirn denkt: „Ah, das kenne ich schon.“
Und genau dadurch bleibt Wissen viel leichter hängen.
4. Die Information ist emotional
Emotionen sind ein unglaublich starker Lernverstärker.
Wenn etwas lustig, spannend, traurig oder überraschend ist, merkt sich das Gehirn diese Information viel besser.
Deshalb erinnern wir uns oft noch Jahre später an besondere Erlebnisse.
5. Die Information taucht mehrfach und auf unterschiedliche Weise auf
Zum Beispiel:
- ein Bild davon sehen,
- etwas dazu hören,
- darüber sprechen,
- etwas davon lesen,
- es selbst ausprobieren.
Je mehr Sinne beteiligt sind, desto größer ist die Chance, dass das Gehirn sagt: „Okay, das scheint wichtig zu sein.“
Warum „alles auf einmal lernen“ nicht funktioniert - das Arbeitsgedächtnis
Selbst wenn Informationen den ersten "Filter", das Ultrakurzzeitgedächtnis, geschafft haben, sind sie noch lange nicht sicher gespeichert.
Jetzt kommt nämlich das Kurzzeitgedächtnis ins Spiel – auch Arbeitsgedächtnis genannt.
Und genau hier liegt bei vielen Kindern das eigentliche Problem.
Denn das Arbeitsgedächtnis kann nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten.
Im Durchschnitt etwa fünf bis neun Dinge gleichzeitig.
Wenn ein Kind also versucht:
- den gesamten Hefteintrag,
- 50 Vokabeln,
- 2 Stunden Matheaufgaben
- und vielleicht noch für drei Klassenarbeiten
auf einmal zu lernen, dann wird das Gehirn irgendwann überfordert.
Und was passiert dann?
Das Gehirn macht Platz für Neues – und wirft ältere Informationen wieder raus.
Genau deshalb funktioniert stundenlanges Pauken oft nicht.
Was also tun?
Darum sind Lernpausen so wichtig
Viele glauben: „Je länger mein Kind lernt, desto besser.“
Doch unser Gehirn arbeitet eben anders. Pausen sind daher keine nutzlosen Unterbrechungen. Sie sind ein wichtiger Teil des Lernprozesses.
Denn in den Lernpausen verarbeitet das Kurzzeitgedächtnis die Informationen überhaupt erst und ist danach aufnahmefähig für Neues.
Deshalb hilft es Kindern oft viel mehr:
- in kleinen Häppchen zu lernen
- und regelmäßig kurze Pausen zu machen
… anstatt stundenlang erschöpft am Schreibtisch zu sitzen.
So gelangen die Informationen ins Langzeitgedächtnis
Jetzt wird es spannend.
Denn selbst wenn der Schulstoff aufgenommen und das Kurzzeitgedächtnis "überwunden" hat, heißt das noch nicht, dass er auch dauerhaft gespeichert wird.
Das Langzeitgedächtnis funktioniert nämlich nicht wie eine "verschlossene Flasche", sondern ist eher wie ein Sieb. Informationen können wieder verloren gehen.
Deshalb sind beim Lernen zwei Dinge entscheidend:
Verstehen statt auswendig lernen
Kinder müssen verstehen, was sie lernen. Reines Auswendiglernen funktioniert meist nur kurzfristig.
Wiederholen für nachhaltiges Lernen
Wissen muss regelmäßig wiederholt werden, damit es langfristig gespeichert bleibt.
Dabei entstehen im Gehirn Verbindungen zwischen Nervenzellen – sogenannte neuronale Verknüpfungen.
Du kannst dir das vorstellen wie einen Weg im Wald:
Am Anfang ist es nur ein kleiner Trampelpfad.
Je häufiger dieser Weg benutzt wird, desto breiter wird er:
- erst ein Feldweg,
- dann eine Straße,
- irgendwann eine Autobahn.
Und genau so entsteht nachhaltiges Lernen.
Wie Kinder gehirngerecht und ohne Stress lernen können
Du hast nun gelernt: Viele Kinder sind nicht unmotiviert. Sie lernen oft einfach auf eine Weise, die nicht zum Gehirn passt.
Wenn Lernen:
- unter Druck passiert,
- zu spät beginnt,
- ohne Pausen stattfindet,
- nur aus Auswendiglernen oder "20 x durchlesen" besteht
- oder keinen emotionalen Bezug hat,
dann wird Lernen unglaublich anstrengend.
Und genau daraus entstehen häufig:
- Überforderung,
- Streit bei den Hausaufgaben,
- Frust,
- Prüfungsangst
- und das Gefühl: „Ich kann das sowieso nicht.“
Die gute Nachricht ist:
Kinder können lernen, wie Lernen wirklich funktioniert.
Mit den richtigen Strategien, kleinen Lernschritten und gehirngerechtem Lernen wird Lernen oft deutlich entspannter – und nachhaltiger.
Genau deshalb habe ich die 22-Minuten-Methode entwickelt.
Damit Kinder:
- konzentrierter lernen,
- sich Inhalte besser merken,
- ohne Überforderung lernen können
- und Wissen langfristig behalten.
Denn Lernen muss nicht stundenlang dauern und frustrierend sein. Manchmal braucht das Gehirn einfach nur den richtigen Weg.
Schau dir JETZT hier meine 22-Minuten-Methode an!
Peggy Karmrodt
ist ganzheitliche Kinder- und Jugendcoachin mit Schwerpunkt auf Lerncoaching. Sie unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, ihren eigenen Weg des Lernens zu entdecken – individuell, ressourcenorientiert und mit Freude. In ihrer Arbeit verbindet sie fundiertes Wissen über Lernprozesse mit einem feinen Gespür für kindliche Bedürfnisse. Ihr Ziel: Lernen darf wieder Spaß machen – mit Vertrauen, Motivation und einem gestärkten Selbstwert. Neben der Arbeit mit den Kindern begleitet Peggy auch die Eltern, um eine entspannte und unterstützende Lernatmosphäre zuhause zu schaffen.












